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Vom Sonntag her leben - Die Trinitatiszeit

12. Sonntag nach Trinitatis

Die Sprachlosen macht er redend: Die Geschichte von der Heilung des Taubstummen (Evangelium Mk 7,31-37) ist eine gute Geschichte für eine Kirche, der es vor den Herausforderungen der Zeit die Sprache verschlägt. Sie zeigt auch, wie eng Nichtsprechenkönnen und Nichthörenkönnen (Nichthörenwollen?) zusammenhängen. Über solcher Deutung sollte man freilich die bemerkenswerten, zum Teil befremdlichen Details dieser Geschichte nicht übersehen, die später — im sogenannten Effata- Ritus (›Öffnung der Sinne‹) — Eingang in die christliche Taufliturgie gefunden haben: Stirn, Ohren und Nase des Taufbewerbers werden mit dem Kreuz bezeichnet, nach manchen Ordnungen gar mit Speichel berührt.

Dass die Taufe etwas mit der ›Öffnung der Sinne‹ zu tun hat, zeigt auch die Geschichte von der Heilung des bei seiner Begegnung mit dem Herrn erblindeten Paulus, die als Epistel gelesen wird (Apg 9,1- 9[10-20]). In der alttestamentlichen Lesung Jes 29,17-24 nimmt solche ›Öffnung der Sinne‹ geschichtliche Dimensionen an, befreit nicht nur den einzelnen, sondern das ganze Volk aus Taubheit, Sprachlosigkeit, Blindheit: »Zu der Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden werden aus Dunkel und Finsternis sehen; und die Elenden werden wieder Freude haben am Herrn...«

Dazu stimmt das Wochenlied EG 289 und der Eingangspsalm 147 mit seiner Antiphon, die Worte aus der alttestamentlichen Lesung aufnimmt und in Lobpreis wandelt. Ganz in diesem Duktus bleibt das zweite Tagesgebet: »Öffne unsere Ohren, dass wir dein heiliges Wort vernehmen, und rühre unsere Zungen an, dass wir einstimmen in den Lobgesang der Erlösten.«

Liturgische Farbe: grün
Evangelium: Mk 7,31-37
Predigt: Jes 29, 17-24
Wochenlied: Nun lob mein Seel den Herren (EG 289)

Gebet für den 12. Sonntag nach Trinitatis
(11. September 2011)

Du ewiger Gott,
Ursprung und Ziel unseres Lebens.
Du hast Erbarmen.
Wir bitten dich:
Verwandele diese Welt und gib ihr eine neue Gestalt.

Du ewiger Gott,
du zerbrichst nicht das geknickte Rohr.
Hab Erbarmen mit denen,
die gebrochen sind,
die von Krankheit und Sucht gezeichnet sind,
die alles verloren haben,
die sich vor dem morgigen Tag fürchten,
die am Sinn ihres Lebens zweifeln,
die ihr Vertrauen zu dir und zu ihren Nächsten verloren haben.
Auf dein heilendes Eingreifen hoffen wir.
Deine wunderbare Gegenwart ersehnen wir für sie.
Wir bitten dich:
Verwandele diese Welt und gib ihr eine neue Gestalt.

Du ewiger Gott,
du löschst nicht den glimmenden Docht.
Hab Erbarmen mit denen,
deren Lebenskraft zu Ende geht,
die sich verausgaben für andere,
die vor Kälte erstarren,
die sich vor dem Dunkel fürchten,
die den Glauben an dich verloren haben.
Auf dein belebendes Licht hoffen wir.
Deine wunderbare Gegenwart ersehnen wir für sie.
Wir bitten dich:
Verwandele diese Welt und gib ihr eine neue Gestalt.

Du ewiger Gott,
du wirst den Tauben die Ohren öffnen.
Sprich zu denen,
die in unserer Welt mächtig sind.
Lass sie auf die Worte des Friedens hören.
Verschließe ihre Ohren für die Worte des Hasses und der Feindschaft.
Erfülle ihre Herzen mit dem Geist der Versöhnung.
Gib ihnen Besonnenheit in ihren Entscheidungen
und Weisheit in ihrem Handeln.
Auf deine Liebe zu allen Menschen hoffen wir.
Deine wunderbare Gegenwart ersehnen wir für sie.
Wir bitten dich:
Verwandele diese Welt und gib ihr eine neue Gestalt.

Du ewiger Gott,
du hast Abraham berufen,
du hast Jakob erwählt,
du hast uns in Jesus Christus erlöst.
Wir bitten dich:
Begleite deine Kirche.
Lass uns auf dich hören,
Lass uns dich suchen.
Gib uns deinen Heiligen Geist.
Deine wunderbare Gegenwart ersehnen wir.
Wir bitten dich:
Verwandele diese Welt und gib ihr eine neue Gestalt
durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Bruder und Herrn.
Amen.

Einführende Informationen zum Wochengebet

Weitere Gebete zu den Sonn- und Festtagen