Antisemitismus äußere sich nicht erst in Gewaltakten, sondern auch in unbedachten pauschalen Aussagen. Häufig werde der Nahost-Konflikt für antisemitische Vorurteile ausgeschlachtet. Eine sachliche Auseinandersetzung mit der Politik der Regierung Israels habe ihr Recht. „Antisemitismus schleicht sich ein, wenn sich mit der Kritik an der Politik des Staates Israel eine Verurteilung und Ablehnung ,der Juden’ verbindet. In gefährlicher Weise bedient sich neuerdings Antisemitismus in unserem Land antisemitischer Parolen aus arabischen Ländern.“ Gegen diese Vorurteile sei Information das Heilmittel.
Erarbeitet wurde der Flyer von dem von EKD, UEK und VELKD gemeinsam getragenen Ausschuss „Kirche und Judentum“. Aufgabe des Gremiums ist es, den Kontakt zu jüdischen Gemeinden und zum Präsidium des Zentralrates der Juden in Deutschland zu pflegen und auszubauen sowie durch Stellungnahmen und Publikationen den christlich-jüdischen Dialog zu fördern.
Lutherische Europäische Kommission Kirche und Judentum (LEKKJ)
Vom 8. bis 12. Juni 2006 fand in Hannover die 30. Jahrestagung der Lutherischen Europäischen Kommission Kirche und Judentum (LEKKJ) statt, an der Vertreterinnen und Vertreter lutherischer Kirchen aus Norwegen, Finnland, Estland, Ungarn, der Slowakischen Republik, Österreich, Italien, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland (VELKD und DNK/LWB) teilnahmen. Als Gäste waren Mitglieder jüdischer Gemeinden aus Finnland und Ungarn sowie zwei Beobachter aus der Lutherischen Kirche in den USA (ELCA) und des Lutherischen Weltbundes eingeladen.
Die Kommission, die einmal im Jahr tagt, dient dem Erfahrungsaustausch der Kirchen untereinander, der gegenseitigen Beratung in Fragen der praktischen Gemeindearbeit sowie der Darstellung des Judentums im kirchlichen Unterricht, in der Predigt und in der Liturgie. Ebenso stehen regelmäßig Themen wie Antisemitismus in den verschiedenen Ländern oder die Bedeutung des Staates Israel für das Judentum auf der Tagesordnung.
Ein zentraler Konfliktpunkt innerhalb der LEKKJ ist die Frage nach einer evangelischen Missionstätigkeit unter Jüdinnen und Juden. Deren Legitimität wird von den Delegierten sehr unterschiedlich bewertet. Während die Mehrheit eine solche Missionstätigkeit ablehnt, unterstützt beispielsweise die Norwegische Israelmission missionarische Arbeit in jüdischen Gemeinden.
Im Hinblick auf die Zukunft der LEKKJ wird eine stärkere Vernetzung der Arbeit mit dem Europareferat des LWB angestrebt. Es sollen die Ressourcen und Kontakte des Europareferats des LWB dazu genutzt werden, weitere lutherische Kirchen in Europa zur Mitarbeit in der LEKKJ zu gewinnen.