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Vom Sonntag her leben - Die Trinitatiszeit

21. Sonntag nach Trinitatis

Liebt eure Feinde: Keine andere Aussage Jesu hat wohl solche widersprüchlichen Reaktionen und Dispute ausgelöst wie diese Weisung, die in der Tat das Gebot der Nächsten- und Bruderliebe substantiell überschreitet. In der Bergpredigt, die den Kontext für das Evangelium dieses Sonntags bildet (Mt 5,38-48), erscheint solche Weisung im Zusammenhang einer Lebensstrategie, die es unternimmt, »Böses mit Gutem« zu überwinden (Wochenspruch Röm 12,21).

Auch wenn es im Text selber nicht ausdrücklich genannt wird, ist doch auch hier das Reich Gottes der Horizont, in dem solche Lebensweise Sinn macht und Verheißung besitzt. Die »Kinder des Vaters« halten sich an die Spielregeln, denen er selber folgt — Spielregeln, die im Handeln Jesu und in seinem Geschick eine konkrete (lebens- )geschichtliche Gestalt gewinnen.

Die Epistel Eph 6,10-17, die geradezu in ›militärischen‹ Bildern schwelgt, steht dazu nicht im Gegensatz. Was die Bergpredigt vorschlägt, erscheint hier unter dem Gleichnis der »Waffenrüstung Gottes«: Feindesliebe ist kein Zeichen der Schwäche, sondern der Stärke — genauer: seiner Macht und seiner Stärke (V. 10).

Das zweite Wochenlied EG 377 nimmt die Kampf- Metaphorik auf und passt darum gut zur Epistel. »Suchet der Stadt Bestes«, schreibt Jeremia den in das Exil nach Babylon verschleppten Israeliten (alttestamentliche Lesung Jer 29,1.4-710-14) und gibt so dem Thema ›Feindesliebe‹ eine eigene Wendung, in der sehr viel Weisheit steckt: »...denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl.« Unumwunden nimmt das zweite Tagesgebet die Weisung des Evangeliums auf: »...du lässt deine Sonne aufgehen über Gute und Böse und willst, dass wir auch unsere Feinde lieben.« Stärker an zeitgenössischen Sprachgebrauch lehnt sich das dritte an: »...dass du Menschen die Kraft gegeben hast, Wege der Versöhnung zu gehen ... dass wir Frieden stiften und Brücken bauen...«

Liturgische Farbe: grün
Evangelium: Mt 5,38-48
Predigt: Eph 6,10-17
Wochenlied: Ach Gott, vom Himmel sieh darein (EG 273)

Fürbitten für den 21. Sonntag nach Trinitatis
(24. Oktober 2010)

Gottes Gegenwart erfüllt Himmel und Erde.
Die Feinde des Lebens haben keine Macht,
denn unser Gott ist für seine Schöpfung da.
So können wir Gott vertrauen und
vor ihn unsere Bitten bringen:

Wir bitten für die Menschen,
die bedrängt werden,
weil sie die Wahrheit nicht verschweigen.
Wir bringen vor Gott alle,
die von Mächtigen verfolgt und gefoltert werden.
Wir rufen:
Kyrie eleison.

Wir bitten für die Menschen,
die sich für ein gerechtes Miteinander einsetzen.
Wir bringen vor Gott alle,
die für das Wohl der Schwachen einstehen,
ihre Gaben einsetzen,
damit die Hungrigen satt werden,
die Obdachlosen Herberge und
die Flüchtlinge Heimat finden.
Wir rufen:
Kyrie eleison.

Wir bitten für die Menschen,
die dem Frieden in dieser Welt dienen.
Wir bringen vor Gott die Orte und Regionen,
in denen Krieg herrscht,
damit die Gewalt aufhört,
das sinnlose Blutvergießen ein Ende hat,
die Soldaten heimkehren
und sich Feinde die Hände zur Versöhnung reichen.
Wir rufen:
Kyrie eleison.

Wir bitten für die Schöpfung,
die unter unseren menschlichen Ansprüchen leidet.
Wir bringen vor Gott die Meere und Flüsse,
die durch das Gift der menschlichen Gier sterben.
Wir rufen:
Kyrie eleison.

Wir bitten für die Traurigen und Verzweifelten.
Wir bringen vor Gott alle,
die anderen in seelischer Not beistehen,
die Trostlosigkeit mit tragen,
von ihren Kräften abgeben und
auf das Licht des Lebens hinweisen.
Wir rufen:
Kyrie eleison.

Wir bitten für die Kirche in aller Welt.
Wir bringen vor Gott alle Gemeinden,
die großen, die ungehindert das Evangelium verkünden können,
und die kleinen, die verfolgt werden.
Wir bringen vor Gott die Hauskirchen in China,
die Gemeinden in der Türkei,
unsere eigene Gemeinde.
Wir rufen:
Kyrie eleison.

Du unser Gott, deine Gegenwart erfüllt Himmel und Erde.
Die Feinde des Lebens haben keine Macht.
Dir vertrauen wir uns an, durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unseren Bruder und Herrn.
Amen.

Einführende Informationen zum Wochengebet

Weitere Gebete zu den Sonn- und Festtagen