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Suche nach Leben

Lernen, Lehren, Konfirmieren

Wahrnehmung der Situation

Es entspricht dem kirchlichen Auftrag, alle Getauften zu begleiten und allen Ungetauften offen und einladend zu begegnen. Die evangelischen Kirchen wollen damit zu einem selbstständigen Glauben und zu einem christlich verantworteten Leben in Gemeinde und Familie, in Beruf und Öffentlichkeit verhelfen. Sie wenden sich dabei an alle Altersgruppen. Auch Menschen, die nicht der Kirche angehören, können an ihren Bildungsangeboten teilnehmen.

Die kirchliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen versucht, junge Menschen in ihren Bedürfnissen und Fragen wahrzunehmen. Sie will ein altersgemäßes Verstehen und Annehmen der Inhalte des Glaubens eröffnen. Da die Familie nicht mehr selbstverständlich der Ort ist, an dem durch Großeltern, Eltern und Paten Glaube vermittelt wird, begegnen Kinder und Jugendliche der biblischen Botschaft und gelebtem Glauben oft erst in gemeindlichen Veranstaltungen, im Religionsunterricht oder durch Erzählungen ihrer Altersgefährten. Deshalb stehen die Gemeinden vor der Aufgabe, die Heranwachsenden in ihren Veranstaltungen in besonderer Weise im Blick zu haben. Sie laden sie ein in Gottesdienste, Kinderbibelwochen, Jugendabende und zu vielen anderen Veranstaltungen.

Die Christenlehre hat sich in Ostdeutschland als eine wirksame Form der Einübung in christliches Leben erwiesen. Kinder und Jugendliche entdecken in der Gemeinschaft und in der Begegnung der Generationen untereinander am besten, wie Christinnen und Christen in ihren persönlichen und gesellschaftlichen Beziehungen verantwortlich vor Gott leben. Dabei kommt ihre Wirklichkeit in der Auseinandersetzung mit der biblischen Botschaft zur Sprache. Spezielle Methoden der Pädagogik fördern hierbei erlebnisorientierte Lernprozesse.

Ein besonderes Anliegen der evangelischen Kirche ist die enge Verknüpfung von christlicher Erziehung in Familie und Gemeinde mit religiöser Bildung in Kindertagesstätten und Schulen, insbesondere christlichen Schulen. Durch verstärktes Engagement in solchen Einrichtungen versucht die Kirche auch hier, durch religionspädagogische Angebote mit den Eltern bzw. den Sorgeberechtigten über Fragen christlicher Erziehung ins Gespräch zu kommen.

Im Religionsunterricht am Lern- und Lebensort Schule begegnen die Schülerinnen und Schüler der biblischen Überlieferung und den Wirkungen des Christentums. Unter den Bedingungen und im Rahmen des gesamtgesellschaftlichen Bildungsauftrages wird der in den öffentlichen Schulen erteilte Religionsunterricht von den Kirchen mitverantwortet und in Übereinstimmung mit ihren Grundsätzen erteilt. Die Kirchen nehmen ihre Mitverantwortung für den Religionsunterricht u.a. wahr durch Mitarbeit an den Rahmenplänen, durch Beteiligung an der Fortbildung der Religionslehrer und -lehrerinnen, durch Angebote von Schulgottesdiensten und Mitwirkung an schulischen und außerschulischen Projekten.

In manchen Bundesländern gibt es angesichts der konfessionellen Ungebundenheit der Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler Versuche der gesetzgebenden Organe, anstelle bzw. neben dem konfessionellen Religionsunterricht ein über lebens-kundliche, ethische und religiöse Fragen rein informierendes Schulfach einzuführen. Die weithin übliche Bekenntnisgebundenheit des Religionsunterrichtes lässt Schülerinnen und Schüler an ihren Lehrerinnen und Lehrern erleben, dass sich religiöse Inhalte nicht losgelöst von der persönlichen Haltung der Unterrichtenden vermitteln lassen. So gibt der Religionsunter-richt jungen Menschen Gelegenheit, auch in Fragen religiöser Überzeugung sprachfähig zu werden, Antworten auf Lebensfragen zu finden und Orientierung für gesellschaftliches Handeln zu gewinnen. In Landeskirchen, in denen Religionsunterricht und Christenlehre bzw. andere altersspezifische Angebote der Ge-meinde nebeneinander stattfinden, schließen sie deshalb einander nicht aus, sondern ergänzen sich gegenseitig.

Einen besonderen Akzent erhält die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen durch die Konfirmation. Volkskirchlich und biografisch gilt sie vor allem als Segenshandlung in der lebensgeschichtlich wichtigen Übergangssituation von der Kindheit zum Erwachsenenalter. Sie ist ein gesellschaftlich bedeutsames Fest, das als Familienfeier wahrgenommen wird und für den Großteil der Kirchenmitglieder zum Evangelischsein dazugehört. Ein wichtiges Ziel, das von Seiten der Kirche mit der Konfirmation verfolgt wird, besteht darin, die Heranwachsenden als mündige Christinnen und Christen in die Gemeinden zu integrieren. Da dies nur schwer erreichbar ist, wird seit langem kontrovers dis-kutiert, ob nicht ein anderes als das jetzt übliche Lebensalter für die Konfirmation besser geeignet wäre.

Die Erfahrung, dass die persönliche Annahme der eigenen Taufe, wie sie in der Konfir-mation geschehen soll, nicht auf ein bestimmtes Alter fixierbar ist, bestätigt die Praxis, dass die Konfirmation eingebettet sein muss in eine umfassende Konfirmandenarbeit: in kirchlichen Unterricht und vielfältige andere Formen der Jugendarbeit. Diese Konfirmandenzeit wird als eine vom Evangelium geprägte Begleitung in einer besonderen Lebensphase verstanden. Die meisten Kirchenmitglieder haben die Pfarrerin oder den Pfarrer ihrer Konfirmandenzeit in guter Erinnerung. Was sie in dieser Zeit erlebt und gelernt haben, ist oftmals von bleibender Bedeutung für ihr Leben.

Die Konfirmation ist in den westlichen Bundesländern weitaus stärker im volkskirchlichen Bewusstsein verankert als in den östlichen. Viele Jugendliche nehmen hier statt an der Konfirmation an der Jugendweihe teil. In der DDR wurde mit ihr durch das Ablegen eines öffentlichen Gelöbnisses ein Bekenntnis zum sozialistischen Staat verlangt. Sie wurde als Bestandteil sozialistischer Erziehung weitgehend durchgesetzt. Seit der politischen Wende von 1989/90 wird versucht, wieder an ihre ursprünglichen Wurzeln anzuknüpfen.

Der Prozess der zunehmenden Säkularisierung bringt es mit sich, dass auch in den west-lichen Bundesländern für Alternativen zur Konfirmation gewor-ben wird. Unabhängig von dieser Entwicklung halten die Kirchen am Angebot der Konfirmation und Konfirmandenzeit fest. Die dadurch ermöglichte intensive Begleitung der Heranwachsenden hilft zu einem in christlicher Verantwortung geführten Leben und wird so zu einem wichtigen, die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit prägenden Faktor.

(Textauszug aus den "Leitlinien kirchlichen Lebens")