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Suche nach Leben - Konfirmation

Biblische Grundlage und theologische Orientierung

Gott sucht, stärkt und tröstet den Menschen sein Leben lang. Er will, dass Menschen die ihnen in der Taufe ein für alle Mal geschenkte Gnade annehmen und sich mit ihrem Leben auf sie einlassen, ständig »in die Taufe zurückkriechen«, wie es Luther ausgedrückt hat.

Damit sich Menschen zum christlichen Glauben beken-nen können, muss er ihnen zuvor nahe gebracht worden sein. Nach biblischem Verständnis sind dabei Lehr- und Lernprozesse wesentlich (vgl. Dtn 6,20-25; Mt 4,23; 5,2; Joh 14,26; 2 Tim 3,14-16). Sie umfassen alle Lebensphasen, erfolgen im sich ständig verändernden lebensgeschichtlichen Kontext und verstehen sich als Lebensbegleitung und Anstoß zur Erneuerung. Die Bildungsverantwortung der Kirche bezieht sich dabei nicht nur auf ihre getauften Mitglieder. Indem sie sich an alle Menschen wenden soll (Mt 28,18-20), nimmt sie teil an der öffentlichen Bildung.

Es ist eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche, jungen Menschen das Evangelium als Leben gründende und orientierende Kraft zu vermitteln. Mit der Taufe von kleinen Kindern übernimmt sie hierbei eine spezielle Verantwortung für die heranwachsenden Getauften. Die erste Begegnung mit dem christlichen Glauben kann so durch Eltern, Patinnen und Paten, aber auch durch die Gemeinde geschehen. Das heranwachsende Kind soll erleben, wie der Glaube an Jesus Christus denen wichtig ist, mit denen es täglich zusammenlebt.

Die Gemeinde erfüllt ihren Bildungsauftrag, indem sie mit ihren Angeboten auch auf ungetaufte Kinder, Jugendliche und ihre Familien zugeht, wenn sie verschiedene Sichtweisen auf das Leben ernst nimmt, Erfahrungsräume für den Glauben eröffnet und die heranwachsende Generation in altersgemäßer und möglichst vielfältiger Weise begleitet, nicht zuletzt in ihren Gottesdiensten. Die Christenlehre mit ihrer kindgemäßen Ausrichtung, wie sie sich in den östlichen Landeskirchen entwickelt hat, ermöglicht hierbei eine zielgerichtete Vermittlung des christlichen Glaubens im Lebensvollzug der Gemeinde.

Die kirchliche Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden eröffnet für Jugendliche die Möglichkeit, ihre bereits erfolgte Taufe zu verstehen bzw. sich auf sie vorzubereiten. Der Unterricht hat den Sinn, zum einen Kenntnisse und Verständnis des Glaubens zu vermitteln und die Konfirmandinnen und Konfirmanden ins Leben der Gemeinde einzuführen, zum anderen sie auf dem Weg ins Erwachsenwerden zu begleiten. Dazu gehören Kenntnisse über die zentralen Inhalte des christlichen Glaubens, die Praxis des Gebets und eine ethische Orientierung.

Eine unmittelbare biblische Grundlage gibt es für die Konfirmation nicht, weil die frühe Christenheit wahrscheinlich nur die Erwachsenentaufe kannte, bei der die Taufhandlung und das Bekenntnis des Täuflings zusammenfielen. Dennoch kann die Konfirmation theologisch begründet werden: Zum Zuspruch der Gnade gehört auch die Antwort. Das holt die Konfirmation mit der Unterweisung und dem Bekenntnis der Getauften nach (vgl. Mt 28,18-20).

Die Anfänge der Konfirmation reichen bis in die Reformationszeit zurück. Man knüpfte damit an die Firmung in der katholischen Kirche an, die ihrerseits eine Konsequenz aus der seit dem dritten Jahrhundert üblich gewordenen Kindertaufe war. Im Unterschied zur Firmung versteht die evangelische Kirche die Konfirmation nicht als Sakrament, weil dadurch nach ihrer Auffassung die Taufe entwertet würde. Sie bezieht jedoch die Konfirmation auf die Sakramente Taufe und Abendmahl. Da der vorauslaufende Konfirmandenunterricht in die Bedeutung des Abendmahls einführt, eröffnet dieser den Zugang zum Abendmahl. Martin Luther hat im Großen Katechismus im 5. Hauptstück zum Abendmahl immer wieder betont: Man muss wissen, was man sucht oder warum man zum Abendmahl kommt. Das gehört zum würdigen Empfang dazu. Wenn eine entsprechende Unterweisung erfolgt ist, können daher auch getaufte nichtkonfirmierte Kinder am Abendmahl teilnehmen.

Im Konfirmationsgottesdienst hören die Konfirmandinnen und Konfirmanden den Zuspruch Gottes, der ihnen schon bei ihrer Taufe gesagt wurde, erneut und werden so in ihrem Glauben gefestigt (konfirmiert). Sie antworten auf Gottes Gnade, indem sie öffentlich in das Glaubensbekenntnis der Kirche einstimmen, empfangen unter Handauflegung Gottes Segen für ihren Lebensweg und feiern mit der Gemeinde das Abendmahl. Diese erbittet für sie den Beistand des Heiligen Geistes. Später wird die Feier der silbernen und goldenen Konfirmation Gelegenheit bieten zur Erinnerung und zum Dank für die Güte Gottes.

Die Verantwortung der Kirche für die Entwicklung eines mündigen Glaubens ist mit der Konfirmation nicht erschöpft. Vielmehr umfasst sie – ähnlich dem Konzept »lebenslanges Lernen« im weltlichen Bildungsbereich – alle Lebensphasen. Sie wird durch Jugendarbeit, Gemeindeveranstaltungen und Glaubensseminare wahrgenommen. Mit übergemeindlichen Angeboten wie Akademieveranstaltungen sowie Beiträgen in den Medien macht die Kirche deutlich, dass ihre Bildungsverantwortung die ganze Gesellschaft betrifft.

(Textauszug aus den "Leitlinien kirchlichen Lebens")