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Suche nach Leben - Taufe

Biblische Grundlage und theologische Orientierung

Nach dem Matthäusevangelium hat der auferstandene Christus den Auftrag erteilt: »Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe« (Mt 28,19-20). Aus den Briefen der Apostel wissen wir, dass die Aufnahme in die Gemeinde immer durch die Taufe geschah (1 Kor 12,13; Gal 3,27). Dementsprechend geschieht in den christlichen Kirchen die Aufnahme in die Gemeinde durch die Taufe. Sie ist ein sichtbares Zeichen ihrer verborgenen Einheit im Glauben. Schon im Epheserbrief (4,3-6) heißt es: »Seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.«

Die Taufe wird im Namen Gottes, des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes vollzogen; dabei wird der Kopf des Täuflings nach der Praxis unserer Kirche dreimal mit Wasser begossen. Der Gebrauch des Wassers bringt zeichenhaft zum Ausdruck, worin die Bedeutung der Taufe besteht: »Taufen« kommt von Untertauchen, dem ein Wiederauftauchen folgt, so wie es ursprünglich bei der Erwachsenentaufe Brauch war. In der Taufe ereignet sich unser Mitsterben mit Christus, der für unsere Gottesferne den Tod erlitt, und die Wende zu einem neuen, ganz durch ihn bestimmten Leben (Röm 6,2-4).

Die Entfremdung der Menschen von Gott, in die wir schon hineingeboren werden, wird in der Taufe von Gott selbst für uns aufgehoben. Die Gemeinschaft mit Gott wird neu begründet. Auf diese Versöhnung können wir unser Leben lang zurückgreifen. So wird unser Leben durch das Wirken Gottes bestimmt, das uns in die Lage versetzt, seine Liebe in tatkräftigem Einsatz an unsere Mitmenschen weiterzugeben. Im Neuen Testament wird dies auch mit dem Bild der Neugeburt durch den Heiligen Geist (Joh 3,5; Tit 3,5) beschrieben. In diesem Sinn ist die Taufe heilsnotwendig (Mk 16,16; Augsburger Bekenntnis Artikel 9).

Das Sakrament der Taufe wirkt nicht magisch, sondern in ihr verbindet sich Gottes Wort mit einer anschaulichen Handlung. Martin Luther hat darum im Kleinen Katechismus betont: »Wasser tut’s freilich nicht, sondern das Wort Gottes, das mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, der solchem Worte Gottes im Wasser traut.«
In der frühen Kirche wurden, soweit wir wissen, zunächst Erwachsene nach entsprechendem Unterricht getauft. Doch wuchs allmählich der Wunsch der Eltern, ihre Kinder an der Glaubenserfahrung teilhaben zu lassen. So hat sich seit dem 3. Jahrhundert die Praxis der Kindertaufe durchgesetzt.

Grundsätzlich gilt, dass Menschen in der Taufe unabhängig von ihrem Lebensalter Gottes Gnade empfangen. Die Säuglingstaufe bringt auf anschauliche Weise zum Ausdruck, dass Gott die Menschen ohne Vorbedingungen annimmt. Sie ist deswegen in den meisten christlichen Kirchen die bevorzugte Form, und sie nehmen dafür in Kauf, dass der Täufling erst viel später in der Lage ist, diese Zusage bewusst und ausdrücklich für sich anzunehmen.

Die Taufe eines Kindes zielt auf das eigene Bekenntnis des Täuflings in einem späteren Lebensalter durch die Konfirmation (vgl. Abschnitt Lernen, Lehren, Konfirmieren) und auf einen Glauben, der lebenslang im Hören auf das Evangelium, im Gebet und im Einsatz für andere Menschen praktisch ausgeübt wird. Dabei sollen die Eltern sowie im Auftrag der christlichen Gemeinde die Patinnen und Paten den Täufling begleiten. Die Gemeinde soll alle Getauften immer wieder veranlassen, das Zeugnis der Bibel kennen zu lernen und sie zum Glauben einladen.

Wenn Jugendliche und Erwachsene aus eigenem Ent-schluss getauft werden wollen, bedarf es eines gründlichen Taufunterrichts. Dessen Ziel muss es sein, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich – ihrem Alter und ihren geistigen Fähigkeiten entsprechend – über den Sinn des christlichen Glaubens klar werden und ihre Entscheidung verantwortlich vertreten können. Sie sind dabei nicht gegen Zweifel und Anfechtung gefeit. Deshalb darf man nicht einen gefestigten und bewährten Glauben zur Bedingung für die Taufe erheben. Vielmehr ist zu fragen, ob nach dem Maß des jeweiligen Verständnisses der aufrichtige Wunsch besteht, Gottes Verheißung in der Taufe anzunehmen.

Durch die Taufe werden Menschen, wie es Paulus ausge-drückt hat, zu Gliedern am Leib Christi (1 Kor 12) und zu Mitgliedern der Gemeinde und der weltweiten Gemeinschaft der Christinnen und Christen. Sie sollen an ihrem Leben teilhaben und es mit ihren Begabungen, ihrer Phantasie und ihren Ideen nach Kräften mitgestalten.

(Textauszug aus den "Leitlinien kirchlichen Lebens")