Was hier ›Buße‹ heißt, füllt die alttestamentliche Lesung mit konkretem Inhalt (Jes 1,10-17). Die harsche Kultkritik, die dabei laut wird, weist zugleich darauf hin, dass sich solche ›Buße‹ nicht in liturgischen oder spirituellen Bemühungen erschöpfen kann: »Lernet Gutes tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schaffet den Waisen Recht, führet der Witwen Sache!« An den ›Rest von Hoffnung‹, von dem oben die Rede war, knüpfen auch die beiden ersten Tagesgebete an. »...du willst nicht den Tod des Sünders, sondern dass er umkehrt und lebt«, heißt es im ersten. Noch zuversichtlicher formuliert das zweite: »...du hast zugesagt, uns nicht zu verstoßen, sondern unsere Sünde zu vergeben.« Das dritte bittet um Erkenntnis der Sünde: »Hilf uns die Wahrheit erkennen und annehmen, die Wahrheit unserer Schuld und die Wahrheit deiner Gerechtigkeit.«
Die liturgische Farbe am Buß- und Bettag ist violett, Gloria und Halleluja werden nicht gesungen. Der Gottesdienst kann auch nach einer besonderen Ordnung (EGb S. 191ff.) oder mit den Texten vom Aschermittwoch begangen werden. In der Friedensdekade können auch die beim Vorletzten Sonntag aufgeführten Texte aus dem Formular ›Bitte um Frieden und Schutz des Lebens‹ (EGb S. 474f.) Verwendung finden.
Buß- und Bettage wurden früher häufig aus aktuellem Anlass ausgeschrieben. Sie trugen ursprünglich öffentlichen Charakter: Die gesamte Bevölkerung wurde angesichts von Notständen und Gefahren zu Buße und Gebet aufgerufen. Dieser Charakter ging allmählich weithin verloren und machte einem stärker auf den Einzelnen bezogenen Verständnis von Buße und Bitte Platz. In verschiedenen Anläufen (1853, 1878, 1893) einigten sich die evangelischen Landeskirchen Deutschlands schließlich auf die Einführung eines allgemeinen Buß- und Bettages am Mittwoch vor dem letzten Trinitatissonntag. Einzelne Landeskirchen behielten noch weitere Buß- und Bettage bei.
Liturgische Farbe: violett
Evangelium: Lk 13,(1-5).6-9
Predigt: Mt 12,33-37
Wochenlied: Aus tiefer Not lasst uns zu Gott (EG 144)
Ach Herr,
sieh doch, wie wir sind.
Sieh doch, was wir tun.
Du weißt, was wir unterlassen.
Du hörst unsere Worte.
Du siehst, wohin wir gehen.
Du wartest auf uns.
Du wartest darauf,
dass wir umkehren.
Hilf uns! Erbarme dich.
Ach Herr,
sieh doch,
die Mächtigen sind ratlos.
Reiche behalten ihren Reichtum
Die Armen werden von Schulden erdrückt.
Die Kriege nehmen kein Ende.
Du siehst in das Herz der Menschen.
Du wartest darauf,
dass wir umkehren.
Hilf uns! Erbarme dich.
Ach Herr,
sieh doch,
die Schöpfung leidet.
Wir vergiften das Wasser, das wir trinken.
Wir zerstören das Saatgut, das unsere Kinder nähren soll.
Wir verwüsten die Erde, die unsere Kinder bewohnen sollen.
Du hältst uns dein Wort vor.
Du wartest darauf,
dass wir umkehren.
Hilf uns! Erbarme dich.
Ach Herr,
sieh doch.
Wir scheitern an unseren eigenen Ansprüchen.
Wir sind maßlos.
Wir sind respektlos.
Wir sind herzlos.
Du begegnest uns mit Liebe.
Du wartest darauf,
dass wir umkehren.
Hilf uns! Erbarme dich.
Ach Herr,
sieh doch.
Wir sind kleingläubig.
Wir hören auf die Versprechen von Ratgebern.
Wir sind verliebt in unsere Berechnungen.
Wir vertrauen Zahlen und Prognosen.
Du schenkst uns dein Wort.
Du schenkst uns Versöhnung.
Du schenkst uns Christus.
Du wartest darauf,
dass wir umkehren.
Hilf uns! Erbarme dich.
Um Jesu Christi willen.
Einführende Informationen zum Wochengebet
Weitere Gebete zu den Sonn- und Festtagen