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Vom Sonntag her leben - Der Weihnachtsfestkreis - Weihnachten

Neujahrstag

Nach der Chronologie des Lukas findet acht Tage nach der Geburt die Beschneidung des Kindes statt, bei der es den Namen Jesus erhält. Diese Notiz gab Anlass, den 1. Januar — zunächst in Spanien und Gallien, später auch in Rom, wo man ursprünglich zu diesem Datum ein Marienfest feierte — als Tag der Beschneidung und Namengebung Jesu zu begehen. Daneben gab es schon in der Alten Kirche den Brauch, die ersten drei Januartage mit Bußgottesdiensten und Fastenübungen zu begehen und Christus als Herrn der Zeit — so in einem altspanischen Formular — zu verkünden.

Martin Luther polemisierte gegen den Brauch, »das Neujahr auszuteilen auf der Kanzel«, und forderte, statt dessen über die Beschneidung und den Namen Jesu zu predigen. Für ihn begann das neue Jahr mit Weihnachten: »des freuet sich der Engel Schar und singet uns solch neues Jahr«, heißt es in einem seiner bekanntesten Weihnachtslieder (EG 24). Dennoch hielt sich in den evangelischen Kirchen der Gottesdienst zum Neujahrstag. Das Evangelische Gottesdienstbuch  hat sich dafür entschieden, dem Motiv des Jahreswechsels den Vorrang gegenüber dem Motiv der Beschneidung einzuräumen, erklärt aber: »Der Neujahrstag kann auch als Tag der Beschneidung und Namengebung Jesu begangen werden.«

Die Epistel aus Jak 4,13-15 (Ungewissheit der Zukunft; Orientierung am Willen Gottes) nimmt ebenso wie das Evangelium aus Lk 4,16- 21 (Jesus predigt in der Synagoge zu Nazareth: »...zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn«) auf die Situation des Jahresbeginns Bezug. Die alttestamentliche Lesung Jos 1,1-9 ist vor allem wegen ihres letzten Verses ausgewählt worden: »Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist.« Das zweite Tagesgebet nimmt diesen Gedanken auf: »Jesus Christus, wo du bist, weicht alle Angst.«

Das Motiv des Namens Jesu — eigentlich mit dem Motiv der Beschneidung verknüpft — lässt sich sehr gut auch mit dem Jahresbeginn verbinden. Das geschieht in dem Leitvers zum Eingangspsalm, die Phil 2,10-11 zitiert (»In dem Namen Jesu sollen sich beugen alle Knie«). Dass Gott der Herr der Zeit ist, kommt im ersten und dritten Tagesgebet, aber auch im ersten Vorschlag für das Lied des Tages (EG 64) zum Ausdruck.

Liturgische Farbe: weiß
Evangelium: Lk 4,16-21.(22-30)
Predigt: Jos 1,1-9
Wochenlied: Der du die Zeit in Händen hast (EG 64)

Gebet für den Neujahrstag 2012

Komm mit deiner Kraft, du unser Gott,
komm und sei mit uns in diesem neuen Jahr.

Du weißt, wie es um uns steht.
Du weißt, wonach wir uns sehnen.
Du weißt, wonach wir hungern.
Komm mit deiner Kraft, du unser Gott.

Du siehst die Ratlosen und Verwirrten.
Du siehst die Ängstlichen und Besorgten.
Du siehst die Schüchternen und Mutlosen.
Komm mit deiner Kraft, du unser Gott.

Du hörst die Klage und den stummen Schrei.
Du hörst den Protest und den Zweifel.
Du hörst die Bitten und die Appelle.
Komm mit deiner Kraft, du unser Gott.

Du kennst die Opfer.
Du kennst die Täter.
Du kennst die Mitläufer.
Du kennst die Ahnungslosen.
Du kennst die Ignoranten.
Du kennst uns.
Komm mit deiner Kraft, du unser Gott.

Komm
tröste,
heile,
stärke,
begeistere,
belebe,
richte,
versöhne,
begleite,
leite.
Verwandele unsere Bruchstücke in Ganzes.
Schaffe dir Raum in unsrem Leben mit deiner Kraft.

Gehe mit uns durch dieses Jahr.
Behüte in diesem Jahr alle, die wir lieben.
Schütze in diesem Jahr deine weltweite Christenheit.
Heile in diesem Jahr die Wunden des Vergangenen.
Breite in diesem Jahr deinen Frieden aus.
Komm mit deiner Kraft, du unser Gott,
komm und sei in den Schwachen mächtig.
Auf dich hoffen wir, dir vertrauen wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Bruder.

Amen

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