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Vom Sonntag her leben - Der Osterfestkreis

Die Passionszeit

Seit dem 4. Jh. ist auf vielfältige Weise eine vierzigtägige Vorbereitungszeit auf das Osterfest bezeugt. Zählung und inhaltliche Ausgestaltung konnten freilich im einzelnen erheblich voneinander abweichen: So begannen die Vierzig Tage (lat. Quadragesima) in Rom ursprünglich sechs Wochen vor Ostern. Während dieser Zeit bereiteten sich die Büßer auf ihre Wiederaufnahme in die Gemeinde am Gründonnerstag vor.

Als ihr Charakter als Bußzeit zurücktrat und sie vornehmlich als Fastenzeit begangen wurde, ergab sich die Notwendigkeit einer neuen Zählung: Karfreitag und Karsamstag wurden jetzt mit einbezogen, die Sonntage — an denen man nicht fastete — wurden ausgenommen. Seither beginnen die Vierzig Tage am Aschermittwoch, dem Mittwoch vor dem 6. Sonntag vor Ostern. Im Osten, wo man nur von Montag bis Freitag fastete und die Samstage und Sonntage ausnahm, musste man folgerichtig zu einer noch längeren Vorbereitungszeit auf Ostern gelangen.

Im evangelischen Bereich heißen die Vierzig Tage Passionszeit — Zeichen dafür, dass das Motiv der Passion Jesu die gesamte Vorbereitungszeit auf Ostern bestimmt. Ursprünglich war solche Prägung auf die Karwoche beschränkt. Im Mittelalter dehnte man die Passionszeit auf die beiden Wochen vor dem Osterfest aus. Der 5. Sonntag vor Ostern, Judika, wurde als Passionssonntag begangen. Im Anschluss an die Leseordnung von 1978 bezeichnet das Evangelische Gottesdienstbuch die gesamte Quadragesima als Passionszeit.

Den biblischen Hintergrund für die Begehung der Vierzig Tage liefern all jene Texte, in denen dem Zeitraum von 40 Tagen — bzw. 40 Jahren — eine besondere Bedeutung zukommt (vgl. zum Beispiel 1 Mose 7,4ff.; 2 Mose 24,18; 34,28; 1 Kön 19,8; Jos 5,6; Jona 3,4; Mk 1,13; Mt 4,2; Lk 4,1f). Es sind allemal Zeiten des Übergangs, der Vorbereitung und der Läuterung, von denen hier berichtet wird. In der alten Kirche traten die Taufbewerber, die Katechumenen, mit dem Beginn der Vierzig Tage in ein neues Stadium ihrer Taufvorbereitung ein. Als Photizomenen (griech. ›die erleuchtet werden‹) bereiteten sie sich intensiv auf ihre Taufe in der Osternacht vor. Die liturgische Begehung der Quadragesima wurde hiervon stark geprägt.

Die liturgische Farbe der Passionszeit ist violett. Das Halleluja und das Ehre sei Gott in der Höhe entfallen.