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Vom Sonntag her leben - Die Trinitatiszeit

Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres

Wann haben wir dich hungrig gesehen? Evangelium des Sonntags ist das gewaltige Gleichnis ›vom Weltgericht‹ (Mt 25,31-46), das in dem Wort gipfelt: »Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.« Die Epistel Röm 8,18-23(24-25) artikuliert die Sehnsucht der ganzen Schöpfung nach Erlösung und stellt damit die Hoffnung auf das — endliche! — Kommen des Gottesreiches in einen universellen, geradezu kosmischen Horizont: »...denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.«

Harte Gerichtstöne schlägt demgegenüber die alttestamentliche Lesung (Jer 8,4-7) an: »...mein Volk will das Recht des Herrn nicht wissen.« Als Wochenlied singt man die Umdichtung der alten Sequenz aus den Messen für die Verstorbenen Dies irae, dies illa: »Es ist gewisslich an der Zeit, dass Gottes Sohn wird kommen« (EG 149). Andere Töne schlägt der Eingangspsalm an; hier kommt stärker der befreiende, rettende Aspekt des Endgerichts zum Tragen: »Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes...« (Ps 50).

So schwankt die Stimmung dieses Sonntags zwischen Hoffnung und Verzweiflung, und der Wochenspruch kann dies nur unzulänglich zusammenbinden: »Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi« (2 Kor 5,10). Auch das zweite Tagesgebet weiß: »...vor dir müssen wir verantworten, was wir tun und lassen«, und das erste ergänzt: »...unsere Worte und Taten können in deinem Gericht nicht bestehen.« Nur das dritte bringt auch die hoffnungsvollen, befreienden Aspekte deutlich zur Sprache, wie sie von Paulus in der Epistel angesprochen werden: »...in Jesus Christus hast du Frieden gestiftet. Wir sehnen uns nach diesem Frieden, nach Gerechtigkeit und erfüllter Gemeinschaft.« Mag sein, dass es dabei auch den Volkstrauertag im Blick hat, der in Deutschland an diesem Sonntag begangen wird.

Der Vorletzte Sonntag kann im Rahmen der Friedensdekade auch als ›Friedenssonntag‹ mit den Lesungen Mi 4,1-4, 1 Tim 2,1-4 (oder Phil 4,6-9), Mt 5,2-10(11- 12) oder Mt 16,1-4 (bzw. Joh 14,27-31a) begangen werden (vgl. EGb S. 474f).

Liturgische Farbe: grün
Evangelium: Mt 25,31-46
Predigt: Lk 16,1-8 (9)
Wochenlied: Es ist gewisslich an der Zeit (EG 149)

Gebet zum Vorletzten Sonntag im Kirchenjahr
(13. November 2011)

Du unser Gott, du bist ein Gott der Weisheit.
Schau auf unser Unvermögen.
Erbarme dich der Politiker,
die Verantwortung für das Geschick von Millionen tragen.
Komm mit deiner Weisheit.

Du unser Gott, du bist ein Gott des Friedens.
Schau auf unsere Friedlosigkeit.
Erbarme dich der Menschen,
deren Leben von Krieg und Gewalt gezeichnet ist.
Komm mit deinem Frieden.

Du unser Gott, du bist ein Gott der Gerechtigkeit.
Schau auf den Hunger in aller Welt.
Erbarme dich der Obdachlosen und Flüchtlinge,
der Armen und Verschuldeten.
Komm mit deiner Gerechtigkeit.

Du unser Gott, du bist ein Gott der Wahrheit.
Schau auf unsere Lügen.
Erbarme dich aller,
die unter den Diktaturen dieser Welt leiden.
Erbarme dich der Opfer von Korruption und Gier.
Komm mit deiner Wahrheit.

Du unser Gott, du bist ein Gott der Versöhnung.
Schau auf unsere Feindseligkeit.
Erbarme dich aller,
die miteinander im Streit liegen.
Erbarme dich aller,
die verbittert sind.
Komm mit deiner Versöhnung.

Du unser Gott, du bist ein Gott der Liebe.
Schau auf unsere Lieblosigkeit.
Erbarme dich aller,
die uns lieb sind und die zu unserem Leben gehören.
Komm mit deiner Liebe.

Du unser Gott, du bist ein Gott der Hoffnung.
Schau auf unsere Mutlosigkeit.
Erbarme dich aller,
die an den Verhältnissen verzweifeln.
Komm mit deiner Hoffnung.

Du unser Gott, du bist ein Gott des Lebens.
Schau auf unsere Verstorbenen.
Erbarme dich aller,
die trauern.
Komm mit deinem Leben.

Du unser Gott, du bist der Herr deiner Kirche.
Schau auf deine Gläubigen.
Erbarme dich aller,
die dir vertrauen.
Komm mit deiner Gegenwart.
Komm mit deinem Geist.
Komm Herr Jesus Christus.
Amen.

Einführende Informationen zum Wochengebet

Weitere Gebete zu den Sonn- und Festtagen